Prometheus, Ridley Scott

Hier. Er wollte vielleicht das Ende einer Serie selber bestimmen, vor seinem Tod. Egomanie? Regisseure haben einen Beruf, der Kunst (Einzigartikeit?) und Kommerz (Branding?) flux verschwimmen lässt. Aber mit seinem Namen kam ein dickes Budget, und das ist gut. Naja, es muss zumindest nicht schlecht sein.

Von der Logik her ist es stimmig, nur erscheint hier das Motiv des Gruselschlosses noch mehr. Das ruhende Raumschiff und seine fein-finsteren Kavernen. Der Xenomorph unterstreicht sein X – seine Form ist tatsächlich beliebig und nicht festgelegt. Vielleicht wollte Scott hier so, wie alle Fortsetzenden vor ihm, das Alien vom berüchtigten Design befreien (welches es paradoxerweise so berühmt gemacht hat). Vielmehr als Prinzip wird es wieder installiert, als ein im Drama der Fleischlichkeit inhärentes Grauen. Und das Fleisch ist genetisch und die DNA ist eine ebenso fliehende Grenze wie der Weltraum. Gut so. Einer von Hundert Zuschauern wird den existenziellen Horror des Leibes als Lebensrätsel erkennen… und vielleicht Philosophie studieren. Oder Regisseur werden.

Fehlt noch der letzte.

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Alien: Resurrection, Jean-Pierre Jeunet

Hier. Elf Jahre ist das Ding alt. Nach Alien 4 hat dieser Regisseur tatsächlich „Amelie“ gemacht. Sehr flexibel.

Beim erneuten Konsum wird man versöhnlich: ja, der Hybrid macht leider Sinn am Ende denn ein Grundthema des Alien-Konzepts sieht das vor. Ach, was hat man damals im Kino die Brauen hochgezogen. Aber ja, endlich wird eine Schwangerschaft mal zu Ende gedacht. Ja, das Erledigen des Feindes geschieht durch eine Abtreibung: Option einer jeden Schwangerschaft unter „zivilisierten“ Bedingungen. Dass Ripley geklont wird, ist auch okay. Der Tod ist vergänglich im Alien-Universum, und Spielereien mit Fleisch sind sehr wichtig. Und dass man nach vier Teilen im kalten Weltall, in dem einen ja bekanntlich keiner schreien hören kann, ganz zum Schluss irdische Küsten in der Draufsicht sehen darf, ist auch okay. Okay.

Auf geht’s zum Nachfolge-Duett mit Prometheus und Covenant.

 

Alien I-III, R. Scott & J. Cameron & D. Fincher

Ist Fox bereits Eigentum von Disney? Bestimmt. Also können die Avengers demnächst Xenomorphs bekämpfen. Und Captain Phasma kommt auch noch vorbei. Venom und das Alien? Irgendwie vermischt sich alles. Deshalb sind archäologische Exkursionen in vergangene dramatische Spektakel so wichtig.

Fein ist hier, bei einer Sequenz-Unterhaltung des letzten Zeitalters, dass jede „Folge“ vollkommen anders ist. Stumpfestmöglich wird der Held und seine ihn umgebenden Kernelemente in die nächste Variation gesteckt. Die Themen sind sogar mit Akademikern kompatibel: Geburt, Sex, Gewalt, Geschlechtlichkeit und ein Potpourri an Gender-Bullshitereien. Der erste Teil besticht mit Klaustrophie in einer Zukunft, die das Gegenteil von Star Trek und menschlich, ja: allzu menschlich ist. Teil zwei dient dann Cameron als Paradebeispiel seiner 1980er Maschinenphantasien. Und Kyle Reese ist der Verwundete. Teil drei wird grungy, will gemeiner sein als er dann doch ist, und lässt Fincher seine bewährte beige-grau-gelb-düster Farbpalette abspielen. Und Frau Weaver wehrt sich nicht gegen die Vereinnahmung durch den Blockbuster. Dass sie auch als Torwächter fungieren kann, macht sie nur sympathischer.

 

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Wie soll das weitergehen? Der dreiste vierte Teil und der polierte Abschluss-Doppelpack kommen als nächstes. Aber ob man dann noch die Nerven für die Predator-Crossovers hat sei mal dahingestellt. Xenomorph, ick hör‘ dir geifern.

 

It Follows, David Robert Mitchell

Hier. Erstmal: ab 12? Echt? Hat der Herr Zensor da denn auch wirklich hingeschaut? Ich habe mich jedenfalls oft volljährig verjagt.

Referenz ist laut IMDb natürlich der Babadook. Verfolgen, Monster, nicht jeder kann es sehen. Glaube, Zweifel, Weglaufen. Das Wunder der Kamera: sehen und sehen. Klingt gut. Aber trotzdem hat der Konsument dieses Produkt bisher gemieden weil er einen weiteren Slasher vermutete… und generell Teenager nicht wirklich ernst nehmen kann. Aber so ist das Ding ja nicht, und die Teenager nerven weit weniger als anderswo. Einzig die oft entblösste Protagonistin erinnert ein wenig an traditionelle Fem-ploitation, aber das ist schon OK.

Hier gibt es eine grandiose elegische Teenager-Szenerie und natürlich dreht es sich um Sex als Sollbruchstelle und als Herausforderung. Wunderbar der Sound und nachhaltig verstörend (aber schön) die Abwesenheit von bestimmten Marken oder anderen Hinweisen auf die Jetzt-Zeit. Das Ding ist weniger eine Kaufanregung sondern eher eine flauschig-körnige Instagram-Suburbia-Collage. Mit Zeitlosigkeit wird eine besondere Lebenszeit behandelt. Ist das Grunge? Was würden Sonic Youth dazu sagen? Statt Gitarren gibt’s jedenfalls beklemmende Synths. Und das herrliche Detroit. Wenn es das nicht gäbe, man müsste es erfinden. Ein Traumziel (gewissermassen als ein Anti-Miami). Motor City 4ever.

Allen Beteiligten ist gutes Gelingen mit weiteren Projekten zu wünschen.

 

Ghostbusters, Ivan Reitman

Hier. Eindeutig und klassisch. Hunde. Katzen. Massenhysterie! Zum vielleicht sechsten Mal geschaut. Damals auf auf Video bei der Tante gesehen, die es vom TV aufgenommen hat. Wahrscheinlich Mono. Das Titellied war das erste, dass auf einem Walkman auf dem Schulhof gehört wurde. Der Film war immer alles das, was die konkrete Welt nicht wahr: interessant, freundlich, relevant, New York. Beim Abspann wurde sehr geseufzt.

Beim neuerlichen Konsum sahen die erinnerten Spezialeffekte freilich grandios improvisiert aus. Aber sie tun ihren Zweck. Man weiss ja was gemeint ist. Gut so. Einmalig, und immer wieder.

World War Z, Marc Forster

Hier. Als die Familien nuklear wurden und der Anblick von Verfall und Siechtum der eigenen Eltern nicht mehr mit mehreren Geschwistern geteilt werden konnte erfand die Welt den Zombiefilm, damit sich der verhätschelte postmoderne Mensch anders und im anonymen Kollektiv den Tatsachen des praktischen Sterbens widmen konnte.

Oder: als allgegenwärtige audiovisuelle Berichterstattungen begannen, mit unangenehmen Bildern von nicht-lachenden Menschen aus aller Welt die konsumierenden (lach-willigen) Massen rhythmisch einzupeitschen, musste der Zombiefilm als Verdauungshilfe entstehen.

Überhaupt: Unterhaltung als Verdauungshilfe ist eine der stetigsten Perspektiven hier. Was rein geht, muss raus. Man kann nicht wirklich kontrollieren was reingeht, weil man ja irgendwie urban und elektronisch erschlossen existiert. Ein Draußen gibt’s nicht mehr (…wirklich, nur im Wanderurlaub mit Stromausfall oder so).

Hier gibt’s also die Variante der schnellen Zombies, internationales „Flair“, und Brad Pitt. Fein die Idee mit den Massen: ameisengleich bilden die Leiber eine Brücken. Hashtag: Flüchtlingskrise(n). Hashtag: too soon? Überhaupt ermöglichen schnelle Zombies eine erfrischend rasante Physik. Da krachen die Knochen, da wird gekrochen.

Das Ende ist unspektakulär: es wird gegangen, nicht mehr gerannt, und die scheinbar vollkommen unnütze nukleare Familie, angeführt von einer spröden und passiv abwartenden Ehefrau, fungiert als Siegestrophäe für den Pionier. Vor dem Abspann wird mit der Fortführung des Franchise gedroht: hoffentlich ohne die ballastgebende Familie.

Interventionen, Michel Houellebecq

Hier. Keine Literatur, aber Texte über Literatur und einiges mehr. Ein Sammelband mit Beilagen, die insgesamt verschlungen schon recht satt machen. Vieles kann nur als Geschwätz verstanden werden, aber das ist nicht böse gemeint: der Konsument kennt sich in der französischen Literaturszene nicht sehr gut aus. Ach, was war er dankbar als mal Littell und seine Wohlgesinnten erwähnt wurden.

Überraschenderweise hat Monsieur H. gar nicht so eine schlechte Laune wie man dachte – aber streitlustig ist er. Vielleicht imponiert einem einfach jeder, der in der katzenfreundlichen Intellektuellenwelt eben nicht nett zu jedem ist und auch dem bräsigsten Phrasengewehr nickend ein wenig zuhört. Gut, dass er nicht mehr in der Agrarwissenschaft arbeitet sondern Sachen schreibt. Wie wohl seine Handschrift aussieht? Bestimmt auch französisch. Äh. Äh?

Orphan, Jaume Collet-Serra

Hier. Überraschend aufgeräumt und ohne cheesy Flair kommt dies hier daher. Schönes Haus haben die. Vom Plakat her dachte man an Übersinnliches Geflunker. Aber nee, das ist „realistisch“. So viel kann man sagen.

Es gibt den einen großen „Ach!“-Moment. Wenn der gespoilert wird, ist’s nicht mehr fein. Aber wenn man den dann erreicht und laut „Ach!“ rufen kann, dann freut man sich. So ist das nunmal.

Vor dem „Ach!“ ruft man aber: „Das ist doch Mama Bates! Auweia, die hat kein Händchen mit Minderjährigen, neineinein!“ Aber irgendwann hat man sich ausgerufen und der Film entspinnt sich fein von alleine.

Wieder das Thema der Familie: wer sind diese Menschen? Alle haben sie ihre Unfähigkeiten und zusammengehalten werden sie durch die materielle Macht der wenigen. Deutungshoheiten. Eltern haben immer „Bestimmer-Tag“. Gross und Klein gesellt sich gern. Oder nicht?

Vielleicht ist der Film ein Symptom in einer immer kindischeren Medienwelt, in der einem die Kinder suspekt gemacht werden können und müssen. Immer weniger Kinder werden geboren, fulminante Einzel(-scheidungs)kinderschicksale häufen sich, werden erwachsen, kleben sich selbst (falls erwachsen genug) zu Familien zusammen. Verursachen Nachwuchs, projizieren Glauben, Liebe, Hoffnung, Hopsasa auf selbigen. Kinder des Zorns, Kinder des Zorns. Das blonde dumme Eumel aus Poltergeist. Danny, allein im Hotel. Wenn Menschen schon seltsam sind, dann müssen Kinder es auch sein. Äh. Ja? Darauf erstmal ein Lustiges Taschenbuch.

Dracula, Francis Ford Coppola

Hier. Viel zu früh wurde der damals in den 90ern gesehen und gehörig verhoben hat man sich damals daran. Ach, was belächelte man den Vampirkram vorher. Ach, wie überrumpelt man wurde von diesem klassisch und opulent gebauten Vehikel, dass keine Ironien zulässt sondern über die ganze Spielzeit den staunenden Jünger drangsaliert.

Über zwanzig Jahre später ist es ähnlich. Die Optik ist wunderbar prä-CGI und dabei nicht weniger eindrucksvoll. Die ziselierten Kostüme haben fast ikonischen Charakter. Und sogar die Literaturvorlage wird streng bedacht: dauernd gibt es diese entnervenden Berichte, Mitschriften, Stimmen aus dem Off. Ist das nun eine konservative Literaturverfilmung? Es ist auf jeden Fall eine, die wenig Luft zum Atmen lässt. Parallel dazu (aber dazu muss man wohl derlei Kram interessant finden) beweist die Verfilmung, warum der Roman und sein Thema eine Schlüsselrolle zwischen 19. und 20. Jahrhundert einnimmt, und zwar in all seiner spektakulär-vulgären Inbrunst.

Und Frau Ryder ist extra kawaii, auch wenn das Blut spritzt. ❤