Der goldene Handschuh, Heinz Strunk

Hier. So ein Durst, so ein verdammter „Schmiersuff“ – aha, wieder was gelernt. Der Feuilleton schafft sich weiter ab. Ist das nun ein Lehrbuch? Oder ist das automatisch ein Gaffer-Roman, weil man ja dermaßen nah an die Versprengten und Abgehängten heranrückt? Ist das ethisch bedenklich? Und weil doch zumindest einer der Lumpen einem echten Mörder nachgebaut sein soll. Den Dargestellten wäre es egal, echt oder nicht. Es geht weniger um die vermeintlich Unliebsamen, die dann irgendsoein Humanistentroll „retten“ soll, sondern um die Unliebbaren, um diese Wesen die mit dem Dreck, der sie umgibt, verschmolzen sind. Einer der Protagonisten fragt sich gegen Ende, warum diese Menschen nicht sterben und warum sie dieses Elend mitmachen, aushalten und fortsetzen. Ja, warum? Ihr bloßes Überleben fordert einige Grundlagen der sogenannten zivilisierten Zivilisten heraus, denn: es geht ja anscheinend auch ohne Zähne, es geht auch ohne Waschen, es geht auch ohne Geld, und es geht auch ohne Reue. Vieles geht nicht, aber manches schon.

Deutschland hat keinen Manson und keinen Gacy aber trotzdem hat Deutschland Bedarf an diesen Bildern, denn nur mit dem Allerbittersten schmeckt das HappyMeal wieder etwas bekömmlicher. Oder wie? Sind nun die Leser vom Handschuh oder dessen Kunden in Hamburg allesamt Masochisten? Tut gut, wenn der Schmerz nachlässt, oder was?

Enorm famos ist freilich der Autor selbst, der hier liest. Vielleicht liegt das daran, dass der hier vorsitzende/vorliegende Konsument eher selten Hörbucher verbraucht. Aber Herr Strunk ist ja nunmal eine Art Prominenter, wenn auch nicht mit jedem Massenmedienformat kompatibel. (Es ist ihm hoch anzurechnen, dass er nach „Fleisch ist mein Gemüse“ nicht den heller erleuchteten Weg eingeschlagen hat.) Also ist da schon eine gewisse Personifizierung im Gange. Er ist beim Lesen voll dabei, krächzt, singt, kaspert. Er rattert die Zeilen runter, wie es sich anscheinend gehört oder zumindest stimmig anhört. Er weiss ja, wie sie klingen sollen, denn er hat sie geschrieben. Das ist ein viel zu oft vergessener Aspekt von Literatur: man kann ihr auch zuhören.

Autor: festerben

Hier geht's um schnelle Verdauungshilfe, keine ausufernden (oder gerechten) Rezensionen. Angstgegner ist die Orthographie.

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