11. Porn Filmfestival Berlin

Hier. Und die taz schrieb auch etwas dazu.

Körperlichkeit hat ja oft einen schlechten Ruf bei Dichtern und Denkern und dem Mittelstand im Allgemeinen. Es wird lieber geseufzt und nachgedacht, ob nun konzeptuell oder spirituell. Aber zuviel Andacht lässt die Horizonte auch irgendwie verstauben und man verheddert sich leicht in den vielen schönen stillen Bildern. Drum drängte es den Konsumenten zur Aktion, je brachialer desto besser. Das war jedenfalls der Plan.

Konsumiert wurden insgesamt sechs Werke beziehungsweise Werkssammlungen. In sechs Portionen gab es Fleisch in Film und es war wohl das rechte Maß, denn es stellte sich weder Langeweile noch Ermüdung ein.

Zunächst der Ereignischarakter: es ist ein besonderes Gefühl, wenn man die ganzen anderen perversen Schweine im Flur vor dem Kinosaal sieht und dann im Dunklen um sich herum atmen, ächzen und lachen hört.

Dann die Filmvorführung selbst: wie herrlich multimedial doch die Projektionen stattfanden. Digitaler Hochglanz bis knarzig verstaubte Rollen. Der Ton dumpf oder schrill. Formate im fliegenden Wechsel. Ja, die Welt sieht anders (aus) mit anderen  Technologien. Außerdem ist eine Moderation im Kino sehr toll: da wird Kontext gegeben und es gibt Verantwortliche, die auf Fragen antworten oder ihnen ausweichen. Arbeitende im Kino. Krass.

Und die Filme selbst: was laut Programm als „Klassiker“ gepriesen wird, erweist sich als mühsam-dilettantenhafte Fremdscham-Operette. Was ganz besorgt als kontrovers angekündigt wird, ist eigentlich arg konventionell, und man fragt sich selbst, wie un-prüde man dann denn doch noch ist.

Und schliesslich das ethisch-humane Geschwurbel: wo können sich gerade junge Menschen, die nicht der (eigentlich sehr zerbrechlichen) Heteronormativität und ihren Darreichungsformen zugehörig fühlen, medial be(s)tätigen? Im Porno, oder zumindest in den eher alternativen oder transgressiven Spielarten desselben. Halt. Eigentlich ist der Name falsch, denn hier ging es eben nicht um reine exploitation und Gewinnmaximierung. Es war keine Branchenmesse, sondern eine feinherbe Erfrischung der Augen und Sehgewohnheiten. Was Mainstream ist, das bewegt Geld. Hier bewegten sich die Leiber, aber nicht für Geld. Wofür? Kann man nicht benennen, denn sonst könnte man es verkaufen. Lieber Mainstream, du wirst erst durch deine Ufer interessant.

Es wurde kein Popcorn gegessen.

 

Autor: festerben

Hier geht's um schnelle Verdauungshilfe, keine ausufernden (oder gerechten) Rezensionen. Angstgegner ist die Orthographie.

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