Before Sunset, Richard Linklater

Hier. Als touristische Hausaufgabe wurde dieses Vehikel konsumiert. Zwei hübsche Menschen spazieren durch Paris und unterhalten sich. Es ist keine Schnulze, denn die kleinteilige Dekoration fehlt – die Umgebung ist eben die sehr konkrete Stadt der Liebe in Frankreich. Es spielt alles in einem Jetzt, in einem Hier, denn genau dann wird das Gespräch geführt. Mann und Frau behandeln die Kategorien Hier und Jetzt aber ziemlich süffig. Before Sunset ist ein Sequel und befasst sich mit der Sequentialität der Welt, Diachronizität und noch mehr ungelenken Worten. Das geschieht aber so offen, so zugänglich, dass es einen froh macht – denn es wird nicht verdummt, es wird kein gestelztes sokratisches Gespräch am Kamin geführt, nein, es wird flaniert.

Der Film trägt Ort und Zeit im Titel, denn die Sonne geht nie überall gleichzeitig auf oder unter. Existenz ist relational und Koordinaten ändern sich beharrlich und unaufhaltsam. Das veredelt natürlich Liebe und Zuneigung als einzige Möglichkeiten des Menschen, sich gegen die stetige Veränderung zu behaupten und Schwerpunkte, Ankerpunkte, Prioritäten zu schaffen. Zusammenbleiben heisst, Rhythmen zu teilen. Aufstehen, schlafengehen. Zusammen essen. Gleichzeitig und in Echtzeit (welch Wort) reden.

Ganz schön gescheit, Mr Linklater.

Autor: festerben

Hier geht's um schnelle Verdauungshilfe, keine ausufernden (oder gerechten) Rezensionen. Angstgegner ist die Orthographie.

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